Warum ist unser neues Buch nicht Open Access?
30.04.2010 10:14 in Allgemein von Dominik Petko
Warum haben wir unser neues Buch “Lernplattformen in Schulen” eigentlich in einem Fachverlag und nicht als PDF zum freien Download publiziert? Diese Frage stellt mein Kollege Beat Döbeli in seinem neuesten Blogbeitrag. Seine Argumente: open access Publikationen sind einfacher (und billiger) verfügbar und werden damit auch häufiger gelesen und zitiert. Die Resultate, die in diesem Buch berichtet werden, entstammen zudem einem Projekt des Schweizerischen Nationalfonds, das schliesslich mit Steuergeldern finanziert wurde. Sie sollten folglich öffentlich sein. Man könnte sogar noch weiterfragen: Warum begeben wir uns in die Fänge eines grossen Fachverlages (VS-Verlag, der neuerdings zur Springer Gruppe gehört), der uns für die Erstauflage noch nicht einmal Tantiemen zugesteht?
Vorweg: ich befürworte open access, biete möglichst viele meiner Artikel auch als PDF zum Download an und bin ausserdem ja auch noch in der Redaktion einer open access Zeitschrift (www.medienpaed.com). Aber: Während es für Texte mit einer Länge von Journalartikeln schon viele gute peer reviewed open access Zeitschriften gibt, ist mir ist noch kein open access repository bekannt, das über eine vergleichsweise strenge Qualitätskontrolle für Texte in Buchlänge verfügt. Fachverlage sind aus meiner Sicht für solche Texte nach wie vor nicht nur Multiplikatoren, sondern auch Gatekeeper akademischer Publikationstätigkeit (wenn auch kommerziell orientiert). Bei einem “guten Verlag” publiziert zu haben, ist heute immer noch ein zentrales Qualitätskriterium für einen jungen Wissenschaftler. Schliesslich ist die gesamte medienpädagogische Szene im VS-Verlag vertreten (nicht nur mit diversen Monographien, sondern z.B. auch im Jahrbuch Medienpädagogik). Deshalb publiziere ich einen längeren Text zum heutigen Zeitpunkt lieber bei einem renommierten Verlag als ihn in einem beliebigen repository zu versenken.
Mit open access mehr gelesen und letztlich mehr zitiert werden? Möglicherweise ist das so, aber ich frage mich, ob viele Zitationen wirklich das ausschlaggebende Kriterium sind. Man müsste mindestens auch nach der Qualität der Arbeiten fragen, in denen man zitiert wird. Das Rennen um viele Zitationen und hohen Impact Factor führt bekanntlich zu absurden Auswüchsen wie langen Autorenlisten auf Artikeln, kleinschrittigem Aufteilen von Befunden über möglichst viele Artikel hinweg, hundertfachem Publizieren immergleicher Resultate in leicht abgewandelter Form, Zitationszirkeln in denen man im Kreis aufeinander verweist, “Papermühlen” wie gewissen Konferenzen, die am Schluss 6000-seitige PDFs als Proceedings veröffentlichen etc etc. Das ist natürlich in gedruckter Form nicht anders als bei open access, aber man muss sich schon fragen, ob man mit dem kurzfristigen Zitiertwerden das richtige Ziel vor Augen hat. Ein Buch geht hier tendenziell gegen den Trend.
Das Argument “öffentliche Publikationen weil öffentliche Mittel” ist natürlich zutreffend (auch wenn das Buch erst nach Ende des Projektes und weitgehend mit Eigenmitteln des Instituts geschrieben wurde). Der Nationalfonds befürwortet open access, lässt den Publikationsweg letztlich aber offen (vgl. hier). Dass spätestens wenn die Rechte des Verlages verfallen die Berichte öffentlich gemacht werden sollen, ist natürlich eine Scheinlösung, denn Verlagsverträge sind innerhalb der rechtlichen Grenzen gerne auf ewig angelegt. Ob schliesslich das Buch oder das PDF die nachhaltigere Lösung sein wird, lässt sich heute schwer beurteilen. Fazit: das eine tun, das andere nicht lassen. In unserem Projekt stehen immerhin die umfangreichen tabellarischen Anhänge zum Download bereit (nämlich hier und hier). Und ich hoffe, wir schreiben auch noch den einen oder anderen open access Artikel.


